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...nichtalltägliche Erlebnisse fürs alltägliche Leben...

Schamanentum: Schamanen, schamanisch Tätige, unterschiedliche Zugänge



Es gibt sehr viele Beschreibungen im Netz, was ein Schamane ausmacht. Das ist wichtig, weil es erklärt, was ein Schamane nicht ist. Auch ich werde mich an eine Definition wagen, doch zuerst möchte ich hier jemanden anderen zu Wort kommen lassen, welcher meiner Meinung nach vortrefflich das Wesen eines Schamanen oder einer Schamanin beschreibt.



Taliesin (Penbardd König Arthurs, ca. 5./6. Jh. / aus dem Internet, Quelle unbekannt)

"Ich war da in vielen Erscheinungsformen, ehe ich die mir gemäße Gestalt fand.
Die schmale Schwertklinge war ich und bin die vergoldete Lanze gewesen.
(Und werde sie wiedererlkennen, wenn sie sich mir von neuem zeigen.)
Ich war ein Regentropfen in der Luft und war ein leuchtender Stern am Himmel.
Das Wort in einem Buch war ich und bin im Beginn ein Buch gewesen.
Ich war das Licht in einer Lampe, dreimal in Folge, je eine Zeit.
Eine Brücke war ich und spannte mich über dreimal zwanzig Flüsse.
Als Adler kreiste ich in den Lüften und durchpflügte als Schiff das Meer.
In der Schlacht führte ich die Krieger, war das Band an der Windel des Säuglings.
Das Schwert in einer Hand war ich und das Schild im Kampf.
Eine Harfensaite bin ich gewesen, neun Jahre lang, dann vom Zauber gebannt für ein Jahr in das Gischten des Meeres.
Ich war der Schürhaken im Feuer und war ein Baum tief im Dickicht.
Nichts existiert, mit dessen Wesen ich mich nicht verbunden hätte.
Wasser und Schaum bin ich gewesen, ebenso der Schwamm, der im Feuer glüht.
Bin in der Tat ein geheimnisvolles Holz."





Meine Definition von Schamane

Was ein Schamane ist, darüber gibt es etliche Meinungen und ich gebe hier die meine wieder.
Schamane ist ein Mensch mit einer überdurchschnittlichen spirituellen Begabung, mit dem erstens die Geister zusammenarbeiten wollen, zweitens von anderen Menschen so genannt wird und drittens es von sich selbst sagt, also selbst diese Aufgabe angenommen hat. Ohne diese Dreiervoraussetzung ist niemand Schamane. Durch seine Begabung und sein Wissen kennt er einen Weg in die Welt der Träume, in die nichtalltägliche Wirklichkeit. Er kann diesen Weg bewusst zum Nutzen anderer und sich selbst gehen, um in dieser normalerweise verborgenen Wirklichkeit zum Wohl aller zu wirken. Er wird aus dieser verborgenen Welt in unsere alltägliche Wirklichkeit mit Rat, Kraft und Heilung zurückkehren. So wirkt ein Schamane oder eine Schamanin.
Danach ist er oder sie wieder ein ganz normaler Mensch, mit ganz normalen Bedürfnissen und Lebensanforderungen.


Diese Begabung macht den Schamanen oder die Schamanin nicht automatisch zu einem guten Menschen, einem einfühlsamen Menschen, einem ethisch, moralisch und politisch korrekten Menschen. Es ist nur eine Begabung, mehr nicht.
Schamanen sind keine Heiligen, weil sie Schamanen sind. Aber der ernsthaft gegangene Weg könnte aus Schamanen durchaus Heilige machen. In meinen Augen ist es überaus wichtig, diese Unterscheidung vorzunehmen, weil Schamanentum ein Weg ist mit ausserordentlichen Zuständen des Schamanisierenden und kein Dauerzustand von ethisch, moralisch und politisch korrekten Verhaltens.


Meine Definition von "Schamanisch Tätige"
Schamanisch Tätige sind in der Regel Menschen mit einer durchschnittlichen spirituellen Begabung, die sich schamanische Techniken auf die eine oder andere Art angeeignet haben und diese auch praktizieren. Als schamanisch Tätige bezeichnen sich viele Menschen, die hier in der hochindustrialisierten Welt durch Kurse mit diesen Techniken in Berührung gekommen sind. Anhand dieser Techniken eröffnet sich ihnen der eigene Zugang zur spirituellen Welt und zu einem möglicherweise mit anderen Auffassungen übereinstimmenden, schamanischen Weltbild. Sie können wie Schamanen diese Möglichkeiten zum eigenen Wohle oder für das Wohl Anderer nutzen.

„Schamanisch Tätige“ als stehender Ausdruck wird oft verwendet, um sich selbst und sein Tun von „Schamanen“ abzugrenzen. Meist wird damit zum Ausdruck gebracht, dass „Schamanen“ im Gegensatz zu „Schamanisch Tätigen“ aus anderen Kulturen stammen und „Schamanisch Tätige“ nicht deren kulturell und religiös geprägten schamanischen Rituale machen müssen, um erfolgreich helfen zu können. Oft wird damit auch ausgedrückt, dass „Schamanen“ mehr können als „Schamanisch Tätige“.  
 
 
Unterschied zwischen Schamanen und Schamanisch Tätigen

Wenn Schamanentum die gelebte Fähigkeit ist, die verborgene Wirklichkeit problemlösend aufzusuchen und entsprechend zu wirken, dann sind Menschen, die das können, Schamanen und Schamaninnen. Wie wir beobachten können, gibt es jedoch enorme Unterschiede zwischen den einzelnen Exponenten innerhalb der Kategorien „Schamanisch Tätige“ und „Schamanen“. Diese Unterschiede sind nicht unbedingt der einen oder der anderen Kategorie zuzuordnen, sondern sind innerhalb einer Kategorie erkennbar. So gibt es mehr oder weniger begabte „Schamanisch Tätige“ und eben auch mehr oder weniger begabte „Schamanen“.

Das, was innerhalb beider Kategorien den Unterschied ausmacht, ist der Grad der Begabung. Es gibt die durchschnittlich spirituell Begabten, die überdurchschnittlich spirituell Begabten und die spirituell Hochbegabten. Die Technik alleine macht weder kraftvolle Schamanen noch kraftvolle Schamanisch Tätige, sondern allein die gelebte Begabung in enger Zusammenarbeit mit den Geistern.

Mir ist es in Endeffekt egal, ob sich ein spirituell überdurchschnittlich Begabter „Schamanisch Tätiger“ oder „Schamane“ nennt oder so genannt wird. Die Unterscheidung jedoch, dass die Anwendung einer Technik noch lange nichts mit einer Begabung zu tun hat, die ist mir wichtig. Schamanen aus anderen Kulturkreisen durchleben oft eine sogenannte „Schamanenkrankheit“, bevor sie die von ihren Göttern oder Geistern ihnen zugedachte Aufgabe annehmen. Solche Erkrankungen erkenne ich auch hier in Mitteleuropa. Es gibt sie auch hier, diese „Schamanenkrankheiten“, nämlich dann, wenn jemand seine überdurchschnittliche oder hohe spirituelle Begabung nicht leben kann oder leben will. Das erzeugt ungeahnt heftige Reaktionen körperlicher oder psychischer Art und wird für die Person selbst und seine Umwelt zum „Problem“, solange, bis die Begabung erkannt und in nutzbringende Kanäle gelenkt wird.

Da im Zusammenhang mit dem Ausdruck „Schamanisch Tätiger“ allgemein die Auffassung vertreten wird, dass Jeder schamanische Techniken erlernen und anwenden kann, schliesse ich daraus, dass mit Jeder eben die durchschnittlich spirituell Begabten gemeint sind.

Im Gegensatz dazu wurden „Schamanen“ immer als überdurchschnittlich gesehen, als von Göttern oder Geistern ausgesucht. Schamanen lebten und leben ihre überdurchschnittliche Begabung. Es käme ihnen kaum in den Sinn, dass sie „nur“ Techniken anwenden.


Unterschiedliche Zugänge zum schamanischen Weg

Ich unterscheide grob drei unterschiedliche, mögliche Zugänge zum schamanischen Weg (in Anlehnung an: René Dehnhardt, "Schamanismus und Schizophrenie", Europäische Hochschulschriften, Reihe XIX, Abt. B Ethnologie, Bd.Vol. 63, ISBN 3-631-50885-9, Verlag: Peter Lang).
  1. Ein Mensch wird von den Geistern berufen und erkrankt dabei heftig. Er durchlebt oder überlebt die Situation und gesundet. Sein Umfeld - sofern es schamanisch geprägt ist - erkennt die Situation als "Schamanenkrankheit", und die durch den Geisterkontakt entstandene Kraft in dem Menschen. In der Regel wird er nun von einem Schamanen oder einer Schamanin unterrichtet.
  2. Ein Mensch wächst in einer Familie auf, in der es Schamanen und Schamaninnen gibt und erbt später die Geister der Vorfahren bei derem Tod. Die Meinung ist dabei, dass die Geister eines Schamanen oder eine Schamanin beim Tod auf einen Erben überwechseln. Interessanterweise konnte ich bislang keine Quellen finden, die nach einem solchen invasiven Wechsel der Geister dem so "Beschenkten" eine "Schamanenkrankheit" attestieren. Sie scheint gänzlich zu fehlen. Dies könnte bedeuten, dass die Heranwachsenden bereits so stark im Kontakt mit der Geisterwelt ausgebildet waren, dass es darum keine Reaktionen gab. In den Beschreibungen wird jedoch auch darauf hingewiesen, dass die Weitergabe der Geister auf eine oder zwei Generationen überspringen würden, auf völlig darauf unvorbereitete Personen. Man könnte daher daraus schliessen, dass beim Erbschamanismus der Geisterkontakt nicht sehr hoch sein muss und eher der Status der Person wirkt, die aus einer angesehenen schamanischen Familie stammt. Nichts desto trotz durchlaufen auch solche Personen eine Ausbildung bei einer Schamanin oder einem Schamanen.
  3. Ein Mensch verspürt das Bedürfnis, bei einem Schamanen zu lernen. Eine "Schamanenkrankheit" liegt nicht vor. Der Mensch bezahlt den Schamanen oder die Schamanin für den Unterricht. Es findet also ein Warentausch statt. Über viel Üben und die dadurch gemachten  Erfahrungen gerät der Mensch vielleicht mehr oder weniger in Geisterkontakt. Das hier klingt nun ganz nach westlichem Prinzip, nach unserer Art zu lernen. Es ist auch tatsächlich die gängige Vermittlungsform im Westen: schamanische Kurse. Nur beschreibe ich hier ein typisches Prinzip, dass in etlichen schamanisch geprägten Kulturen vorkommt.

In vielen schamanischen Treffen und in Kursen die ich belegt oder selbst gegeben habe, stellte ich fest, dass die meisten Teilnehmenden kaum je eine tiefe, schamanische Trance erlebten. Das hat mich überrascht, weil ich ganz selbstverständlich davon ausging, dass das, was ich erlebe, alle anderen auch erleben. Dem war und ist nicht so. Heute erkläre ich mir das damit, dass die meisten Menschen auf dem schamanischen Weg eben durchschnittlich spirituell begabt sind. Sie nähern sich den Geistern in der Regel sachte in Kursen über das Einüben der sogenannten schamanischen Reise an. Da wir unser Tagesbewusstsein dabei in Richtung schamanische Trance zurückdimmen, schlafen viele eher ein, als in tiefe Trance zu kommen. Wirklich viele haben anfangs Mühe damit, "nur" in ihrer Fantasie gereist zu sein, denn sie hätten gerne sofort den vollen, interaktiven Film. Zwischen Alltagsbewusstsein und schamanischer Trance liegen jedoch viele verschiedene Stufen von Trance. Fantasie ist ein leichter Trancezustand, wenn du dann weiter auf der Reise Emotionen hast, dann bist du noch etwas tiefer. Wenn du den heiligen Ernst von spielenden Kindern kennst, dann weisst du, dass sie leben, was sie spielen. Interessant wird es, wenn zusätzlich Überraschendes geschieht, von dem die Übenden danach sagen: "An soetwas habe ich nicht gedacht, es kam einfach." Und doch haben sie dann den Seelenflug der Schamanen noch nicht erlebt. Dieser scheinen tatsächlich nur wenige erleben zu können.
Geisterkontakt, so meine ich, geschieht auch dann, wenn wir ihn nicht wahrnehmen. Sie sind immer um uns herum. Daher wird der ernsthaft Übende auch Kontakt herstellen können. Tatsächlich geschieht dieser Kontakt schon oft während der "Fantasietrance".